|
Das Oratorium Hildegard von Bingen
Außergewöhnlicher Höhepunkt auf der Landesgartenschau
|
|
Bingen, 20. Sept. 2008 Gespannte und hochkonzentrierte Stille am Anfang und am Ende: Die Wiederaufführung des 1997 entstandenen Oratoriums „Hildegard von Bingen“ von Domenico Cipriani (Musik) und Pater Josef Krasenbrink (Texte) zog die mehr als 500 Hörer in der ausverkauften Wagenausbesserungshalle in den Bann. Während von außen der erleuchtete Mäuseturm hereinschien, sorgten innen in der abgedunkelten Halle der Gesang der Chöre, Sprechtexte und Klänge des Orchesters „Collegium musicale Bingen“ für spirituelle Ausstrahlung. Schon der zu Beginn gesungene festliche Chorsatz „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, verwandelte die sonst nüchterne Versorgungshalle auf der LGS in einen die Seele ansprechenden Ort. Die kath. Kirchenchöre aus Bingerbrück und Waldalgesheim, erweitert durch einen Projektchor mit Sängern aus der Region, ließen sich präzise vom musikalischen Leiter, Professor Peter Bubmann, Kantor in Bingerbrück und Waldalgesheim, durch die romantische Klangwelt leiten. Dorothea Rieger – Sopranistin aus Freiburg – umrahmte mit ihrer lyrischen, nie zu dick auftragenden beweglichen Stimme das Oratorium mit unbegleitet vorgetragenen eindrucksvollen Gesängen der Heiligen Hildegard. Auch dank hervorragender Tontechnik trug ihre Stimme bis in die letzten Reihen und hinterließ tiefe Eindrücke. Das Hildegard-Oratorium selbst begeisterte das Publikum durch die Mischung aus stark rhythmisch geprägten Chorsätzen, meditativen Intermezzi des Orchesters (wobei der Dialog zwischen Oboe und Flöte hervorstach), poetischen Texten (ausdrucksstark vorgetragen von Birgit Kley aus Essen und Jörg Harald Werron aus Schlangenbad) und emotional anrührenden romantischen Passagen. Die im Text ausgebreitete Kirchenkritik wurde in herausfordernd modernen Orgelklängen aggressiv aufgenommen (souverän an der erstaunlich „echt“ klingenden elektronischen Orgel der frühere Organist und Kantor von Bingerbrück, Andreas Unger). Am Ende aber verklang das Werk sanft in der Hoffnung auf Gottes Beistand auf dem Weg ins Paradies. Bubmann wusste die Dynamik des Werks auszureizen, stachelte Chor wie Orchester zu ekstatischen Forteausbrüchen an und ließ dann in leise zurückgenommenen ruhigen Zwischenspielen Raum für inneres Hören und Meditieren. Hier war Zeit für das Gedenken an den 1998 tragisch früh verstorbenen Komponisten des Werks und an Pater Krasenbrink, der in diesem Frühjahr überraschend gestorben ist, worauf Pfr. Dr. Schuhmacher zu Beginn des Konzertes hinwies. Die mehrfach im Oratorium und im abschließenden Hymnus von Felix Mendelssohn Bartholdy vorgetragene Bitte„Verleih uns Frieden gnädiglich“ schloss am Ende des Abends auch die Toten mit ein. Publikum wie Verantwortliche der Katholischen Kirche auf der Landesgartenschau und des Kulturamtes sprachen in langem Beifall und Dankesworten den Dank für einen bewegenden Konzertabend aus.
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |